
Der Vorstoss hat eine Vorgeschichte: Er baut auf einen Prüfauftrag auf, der vom Parlament 2023 als erheblich erklärt worden ist. Der Stadtrat hat anschliessend dieses Anliegen seriös geprüft und wertvolle Grundlagen für allfälliges weiteres Vorgehen geschaffen – Danke Raphi Schär und Team. Der Prüfbericht zeigt konkrete Umsetzungsmöglichkeiten auf. Zwei Anbieter – seges und das Kantonsspital Olten – haben ihre grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, ein entsprechendes Testangebot aufzubauen.
Sexuell übertragbare Infektionen nehmen zu. Weltweit, schweizweit – und auch in unserer Region. Gleichzeitig sind, auch 3 Jahre nach der Debatte im Rat, die bestehenden Angebote in und um Olten weder leicht auffindbar noch niederschwellig zugänglich. Und sie sind ganz bestimmt nicht motivierend für Menschen, die sich aus Verantwortung gegenüber anderen präventiv testen möchten.
Dabei wäre genau das zentral: Regelmässige Tests auf die sogenannten „Big Five“ können Infektionsketten unterbrechen, bevor sie sich weiter ausbreiten. Das ist wichtig, denn die allermeisten Infektionen verlaufen symptomlos – und bleiben damit oft unbemerkt, aber nicht ungefährlich.
Besonders häufig betroffen sind junge Menschen. Aber für sie sind die Tests teuer: Laut sexuelle Gesundheit Zürich kosten sie im Schnitt 160 Franken. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur bei klaren Krankheitssymptomen – was z.B. bei Chlamydien fast nie der Fall ist. Wer sich testen lässt, handelt also verantwortlich – wird aber oft finanziell bestraft oder sogar stigmatisiert. Und genau hier müssen wir ansetzen: Wir brauchen einen Kulturwandel – aber dafür braucht es auch strukturelle Angebote, die diesen ermöglichen.
Olten wäre damit nicht allein:
In Schaffhausen zb hat im Mai 2025 ein neues, unkompliziertes Testangebot in Kooperation mit dem Checkpoint gestartet. Nicht ganz gratis, aber mit 10.- pro Test doch ein biiiisschen eine andere Situation als bei uns.
Ich habe mich mit verschiedenen Personen vom Projekt in Zürich ausgetauscht, weil es ja schon noch einige offene Fragen gibt, wie wir das umsetzen würden. Dort in Zürich basiert die Wohnsitzbestätigung im Pilotprojekt auf Selbstdeklaration, einfach weil der Public Health Gedanke höher gewichtet wird, als das Risiko dass ein böser Adliswiler fälschlicherweise mal in “Genuss” eines gratis Tests kommt.
Wenn das uns nicht reicht als Kontrollmechanismus, gibt es einfache Lösungen wie der Beweis durch eine Rechnungskopie zb von der Krankenkassenrechnung – genau so, wie es bei uns in der Badi funktioniert. Das ist praktikabel, datensparsam und schützt die Privatsphäre. Wichtig ist, dass Daten mit Rückschluss auf die Person nicht gespeichert werden.
Und ja, mir ist bewusst, dass der Kanton grundsätzlich für Gesundheit zuständig ist. Aber der Kanton hat in der Mai-Session 2025 einen sehr ähnlichen Vorstoss als nicht erheblich erklärt. Das heisst für uns: Wenn wir in Olten Verantwortung übernehmen wollen, müssen wir das selbst tun. Wir können nicht darauf warten, dass der Impuls aus Kleinlützel oder Eppenberg-Wöschnau kommt.
Und wir haben auch ein überdurchschnittliches Interesse daran: Olten steht bei den STI-Fallzahlen kantonsweit an der Spitze. Das ist nicht nur ein Gesundheitsproblem, sondern auch eine Frage von Aufklärung, Zugänglichkeit und Verantwortung.
Der Vorstoss fordert darum einen zweijährigen Pilotversuch. Ziel ist ein Testangebot für unter 25-Jährige und Menschen mit tiefem Einkommen (z.B. KulturLegi-Beziehende), eingebettet in bestehende Strukturen – ich persönlich fände die Strukturen im Kantonsspital geeignet dafür. Kostenfolge rund 35’000 bis 40’000 Franken pro Jahr. Das ist ein überschaubarer Betrag – und ein sinnvoller Beitrag zu Prävention und Entstigmatisierung.
Die Realität ist: STIs können alle betreffen. Und gerade deshalb braucht es ein Angebot, das niemanden ausschliesst – weder finanziell noch kulturell noch strukturell.

